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Tom Cunningham`s Songwriters LIVE In The Round – PopKomm-Edition
2. Songwriter-Festival in Berlin

15. bis 17. September 2005
Rickenbacker`s Music Inn, Bundesallee 194 b, Berlin-Wilmersdorf

Unter dem Motto „Acoustic at its best“ fand diesen September drei Tage lang Tom Cunningham`s Songwriters-In-The-Round in der PopKomm-Edition statt. An diesen drei wundervollen Abenden Songwriter-Kultur der Extraklasse kamen über 50 Singer/Songwriter aus aller Herren Länder zusammen, sogar aus Kanada, Australien, Dänemark, der Tschechischen Republik usw. Ein Event, das locker Seinesgleichen suchen kann, aber dafür sind Toms Veranstaltungen ja bekannt. Wie letztes Jahr auch wurde diese Konzertreihe zusammen mit Ellie Weinert von Songs Wanted initiiert.

Da Tom Cunningham im Juli d. J. einen Schlaganfall erlitten hat, noch nicht wieder als Moderator bzw. Künstler dabei sein konnte, übernahmen Rüdiger Bierhorst (u. a. Monsters Of Liedermaching) und Dirk „Scholle“ Zöllner (u. a. Die Zöllner) die Krankheitsvertretung, was die Moderation der Show anbetraf. Zwei gute Freunde von Tom, die dieses Amtes mehr als würdig waren und ihren Job fantastisch machten, Tom aber natürlich nicht ersetzen konnten.

Tom ließ es sich am dritten Abend nicht nehmen, seinen ersten öffentlichen Auftritt nach seiner Erkrankung auch gleich im Rickenbacker`s stattfinden zu lassen, um sich zumindest das erste Set des letzten Showtages persönlich anzuschauen und anzuhören. Was Tom zu seinen beiden Vertretern, der Show und den Künstlern sagte, wird im Bericht von Ariane zu lesen sein, weil es mir leider nicht möglich war, am dritten Veranstaltungstag anwesend zu sein.

Donnerstag, 15. September 2005 – Der Stapellauf

Der Soundcheck am ersten Abend war schon mehr als viel versprechend: Funken sprühend, bunt gemischt, emotional gefüttert und vollständig durchkomponiert. Rüdiger und Dirk schnappten sich die Künstler und machten erste, kurze Interviews, um ihre Moderationen zu gestalten. Die ersten Lacher waren Garant. Eine spritzig-fröhliche Atmosphäre erfüllte das Rickenbacker`s vom ersten Moment an.

Das Team von Tom hatte sich überlegt, bei den Teilnehmern und Organisatoren ein Gästebuch herum gehen zu lassen, in dem Grüße und Gedanken an Tom hinterlassen werden sollten, damit Tom zumindest nach Ablauf der Shows ein wenig davon abbekommen würde und dabei gewesen ist. Zu dem Zeitpunkt rechnete ja noch niemand damit, dass Tom überraschend erscheinen würde … Es war wundervoll, mit anzusehen, mit welcher Liebe und Freundschaft zu Tom all diese Leute für ihn ins Buch schrieben. Tom hat sich übrigens irre darüber gefreut und strahlte richtig, mit mehrmaligem „Echo“.

Das Line-Up der Featured Writers am Donnerstag las sich schon wie das Who Is Who der internationalen Songwriter-Szene, die Tom durch sein Show-Konzept schon seit vielen Jahren immer mehr verbindet.

1. Setbesetzung

Das erste Set begann mit Dirk Zöllner und Rüdiger Bierhorst an den Gitarren in Cajon-Begleitung von Matze Manzke mit Rüdigers „Bühnensüchtig“. Ein sehr ins „Bühnenmark“ treffender „Herz- und Ohrenöffner“. Diese zwei Jungs hatten irre Spaß, das Publikum ging sofort voll mit. Bright Blue Gorilla aus L. A. begannen ihren 3-Nummern-Part mit der indischen Banjo-Nummer „The Ballad Of Sid & Mary Ann“. Der Knüller im ersten Set waren Ida & Stine aus Dänemark, zwei nette Backfische mit Ausstrahlung, die erst 13 bzw. 16 Jahre alt sind. Bei „Are You“, einer ihrer selbst komponierten Songs, ließen sie sich von ihrem Pianisten begleiten. Die beiden Mädels hatten in zweierlei Hinsicht einen großen Auftritt: erstens waren sie verdammt gut, zweitens wollte jemand von der Plattenfirma vorbeischauen, um festzustellen, ob er diese zwei Grazien unter Vertrag nehmen kann. Es knisterte förmlich vor Spannung. Die dritte Darbietung kam von Anna (Depenbusch) aus Hamburg. Auch sie ließ sich am Piano begleiten und sang mit ihrer Gänsehautstimme die Anwesenden in himmlischen Grund und Boden: „Nimm mich zurück“ (was laut Anna trotz Song allerdings nicht funktioniert hat). Zum Soundcheck ließ Anna sich noch durch einen zweiten Ta(s)tenmann am Klavier begleiten: ihrem Labelchef von Rintintin Musik, Michy Reincke (Ex-Felix de Luxe).

Bright Blue Gorilla

Ida Stine

Pianobegleitung für Ida und Stine

Anna Depenbusch

Pianist von Anna

Beppo Pohlmann

Beppo Pohlmann nahm auf dem 5. Stuhl platz und gab sein „Wenn sie `n Schwips hat… dann spricht sie Spanisch“ zum Besten, einen Song, der im englischen Original von Tom Cunningham stammt, den er sehr humoristisch neu verpackt hat, gewissermaßen ein Ehrbeton. Ein absoluter Stimmungsmacher. Beppo, der im Rickenbacker`s Stammgast ist, fühlte sich offensichtlich pudelwohl und begleitete seine Kollegen den Rest der Show über mit seiner ganz speziellen „Überraschungs-Ei-Perkussion“.

Publikum

Matze Manzke Dirk Zöllner

Dirk Zöllner war wieder dran. Dieses Mal bezauberte er mit „Immer einer“. Die Bright Blue Gorilla, offensichtlich warm gejammt, folgten mit „Lovers In A Dangerous Time“. Ida & Stine hatten noch eine knisternde Ballade auf Lager: „I`m Loving You“. Spätestens jetzt wurde einigen Zuschauern im Saal zu warm. Wow. Als Anna dann aber noch mit „Tango“ einen drauf legte, gab es kein Halten mehr. Diese nette, kleine Person mutierte zu einer leidenschaftlichen Jazz-Diva, die alles gab, die uns bis auf den Boden ihres gläsernen Herzens blicken ließ, und das ganze drei Minuten lang. Viele Zuhörer saßen mit geschlossenen Augen da und waren – vermutlich – gerade ganz woanders. Damit die eventuellen lang anhaltenden Nebenwirkungen dieser Darbietung gemildert werden können: am 14.10. ist Annas erstes Album „Ins Gesicht“ im Handel erhältlich …

Anna Depenbusch Pat Fritz

Pat Fritz aus Hamburg schnappte sich den noch warmen 5. Stuhl und überzeugte mit „Beautiful Day“. Pat hat den Motown in der Stimme, den Blues im Herzen und den Rock im Kopf. Eine interessante Mischung, die Lust auf wesentlich mehr macht. Da die meisten Artisten den 5. Stuhl nutzen, um sich als Featured Writer zu bewerben, war auch sofort klar: Der Fritz muss unbedingt bei einer der nächsten Shows dabei sein. Dirk und Rüdiger heiterten die Runde zwischendurch immer wieder mit den Ergebnissen der vor der Show geführten Kurzinterviews auf: wem ist welcher Song besonders peinlich, wen prägte welches Lied wieso. Die Antworten waren teils wirklich hinreißend komisch.

Rüdiger Bierhorst Rüdiger Bierhorst

Rüdi wieder: „Montag“, die wohl schönste Wochentagsnummer, die er geschrieben hat. Alle summten, sangen, schunkelten mit. Wie Recht der Bierhorst doch auch wieder hatte … ein kollektives Fieber von 37,5 Grad C verbreitete sich im Saal wie ein Fegefeuer.

Die letzte Nummer von Ida & Stine war „I`ll Be The Star“. Die Bright Blue Gorilla stimmten „Labour Of Love“ an, begleiteten sich mit Gitarre und Mundharmonika und lieferten einen absoluten Mitreißer ab. Spätestens jetzt war allen klar: die beiden sollte man sich unbedingt noch einmal in separater Show anhören. Anna erzählte von Heim- und Fernweh, welches sie während ihrer kreativen Zeit in Island bzw. Berlin und Hamburg immer wieder überkam, in „Heimat“. Dirk und Rüdiger im Duett beendeten den ersten, sehr gelungenen Teil mit einer Nummer, die alles sagte: „Keine Schweigt Wie Du“.

Das zweite Set

2. Setbesetzung

... wurde wieder von Dirk und Rüdiger eingeleitet. Dieses Mal hatten sie Rüdigers „WSV im Ka De We“ im Gepäck. Das Publikum tobte und trommelte nach der Darbietung. Paul McDowell stellte sich vor und brachte seinen ersten Song, eine sehr ruhige, nachdenkliche Nummer. Tino Eisbrenner und sein langjähriger Gitarrist André Drechsler spielten gleich mit zwei Gitarren und Tino an der Mundharmonika auf: „Dein Himmel“. Wer Tino bisher vielleicht noch nicht kannte, noch nicht beeindruckt war, war es spätestens jetzt bis ans Ende seines Lebens. Er spielte ein Solo auf der Mundharmonika, das einem unter die Haut ging wie eine geballte Ladung Impfserum.

Paul McDowell

Dirk Zöllner

Tino Eisbrenner Gitarrist André Drechsler

Jamison Young

Der Dritte im Runden-Bunde war Jamison Young aus Australien, der seit einem Jahr aus Liebe in Prag lebt und musiziert. Seine erste Nummer war „Solar System“, ein sehr melodischer Song, bei dem man zuhören musste, um ihn in sich aufzunehmen. Jamison begleitete sich mit Konzertgitarre und Mundharmonika, wie es sich für einen eingefleischten Vollblut-Songwriter gehört, auch ging er leider unter all den stimmungsvollen Granaten auf der Bühne etwas sehr unter, was wirklich schade war.

Der heiß erwartete Mensch von der Plattenfirma hat sich verspätet, so dass Ida & Stine noch einmal ran mussten bzw. durften, nachdem aufgrund der Jugendschutzverordnungen die Sets eh schon umgestellt werden mussten. Noch einmal „I`m Loving You“. Paul McDowell aus Liverpool hatte es ein wenig schwer, den besinnlicheren Faden der Runde wieder aufzunehmen und stimmte seinen zweiten Song an.

Eisbrenner und Drechsler legten „Das Licht Deiner Worte“ hin, ein Song, der einem warme Schauer über den Rücken jagte. Ein leiser, aber emotional interpretierter Blues kam von Jamison, der wieder an romantischer Gitarre und Mundharmonika glänzte: „Back Alone“. Das gesamte Set über begleitete Matze Mantzke die Truppe auf der Bühne an der Cajon vor der Bühne. So sollte es sein!

Scholle Anny Elstermann

Anny Uwe Kolberg

Es war wieder Zeit für eine Darbietung auf dem 5. Stuhl, die dieses Mal von Anny Elstermann (Lychen) kam, die schon einige Male in Toms Shows auf einem solchen Platz nahm: „Aus Liebe“, ein Lied, dass „Hit The Road Jack“-technisch angehaucht war, an sich dem Zöllnerschen Repertoire zugehörig, da Dirk diesen Song geschrieben hat. Die Leute riefen nach einer Zugabe und ließen sich nicht abwimmeln. Anny griff in ihre Song-Trickkiste und holte „Cry“ heraus, ein Song, der sich damit beschäftigt, wie es ist, wenn man ohne Eltern aufwachsen muss, obwohl diese noch leben. So tat es Anny, so tut es jetzt ihr kleiner Cousin, dem sie den Song widmete.

Uwe Kolberg gesellte sich dazu und spielte an der Gitarre zusammen mit André und Matze „Du Bist Mein Leben“. Paul McDowell aus England war wieder am Zuge und präsentierte seinen dritten und letzten Song des Abends. Paul ist auch ein Künstler, der mit wenigen Instrumental-Hilfsmitteln viel aussagt, seine Songs einkleidet, dass sie zwar keine Gassenhauer werden, aber ins Herz hinein wandern. Tino und André brachten ihren letzten Renner, der sich mit dem Bleiben beschäftigte: „Mein Mut“. Jamison verabschiedete sich mit „Shadows Of Rewind“ und Rüdi knipste mit „Nö, Mach Ich Nicht“ das Licht aus. Oder doch nicht?

Uwe Kolberg Uwe

Pamela Bethke Arndt Bethke

Pam Bethke von S.A.M.T. aus Berlin, die u. a. auch als Backgroundsängerin Toms aktuelles Album begleitet hat, nahm auf der Bühne platz und spielte sich mit ihrer wunderschönen Prickel-Nummer „Flieg“ in die Herzen aller. Zum Finale stimmten alle zusammen, nicht nur die Künstler auf der Bühne, Toms „The Present“ an, um einen wirklich gelungenen Songwriter-Abend gemütlich ausklingen zu lassen.

„Yesterday is history, tomorrow is a mistery“ …


Freitag, 16. September 2005 – Das Bergfest

Auch der zweite Festival-Abend kann sich sehen lassen: Die Herren Moderatoren Rüdiger Bierhorst und „Scholle“ Zöllner hatten sich gestern offensichtlich erst warm gespielt. Heute ging die Lutzie richtig ab: „Bühnensüchtig“ in optima forma.

die Gastgeber

Scholle Scholle

Henning Wehland Jan Löchel

Les Sauvignons, die Combo von H-Blockx-Frontmann Henning Wehland (Berlin bzw. Münster) und seinem Kumpel Jan(i) Löchel aus Münster (Sunwater Music) verpackten als Vorspeise eine H-Blockx-Nummer in eine gekonnte, ausgefeilte Akustik-Hülle, die enorm Laune auf mehr machte: „Take Me Home“. Nicht mehr viel, und man hätte die Taschentücher zücken müssen. Aber auch diese Jungs jammten sich erst warm, vor allem Jan an der Klampfe. Spontan begleitet wurden die Sauvignons an der Cajon von Michael Joch.

Brett Perkins 1 Brett Perkins 2

Michael Günther 1 Micha 2

Brett Perkins (USA bzw. Dänemark) stand nicht hinten an und zimmerte mit „Today“ einen Song hin, den man einfach mögen muss. Einen weiteren musikalischen Leckerbissen kredenzte dann Micha(el) Günther, der Bänkelsänger aus Ruhlsdorf, der „Der Berliner Im Feindlichen Ausland“ sang. Dirk Zöllner konterte quasi mit einer wahnsinnigen, unvermuteten Stimmgewalt in „Immer Einer“. Wirklich köstlich, was Herr Zöllner seinem Klangkörper entlockt hat. Der 5. Stuhl wurde diesen Abend das erste Mal von Rüdiger Kebe besetzt, nein, eher eingenommen. Rüdiger spielte Toms Lieblings-Song „Idea“ für Tom und Elke Cunningham, die stellvertretend für Tom anwesend war.

Rüdi

Rüdiger Kebe

Die Weinkenner waren wieder an der Reihe: Henning und Jan brachten ein offenbar für Henning sehr authentisches Lied mit dem schönen Titel „You Are Beautiful“. Herr Wehland besang hier ganz erfreut seine Eindrücke von „Frau und Fönen“. Warum so viele Herren der Schöpfung aus dem Publikum heftig nickten, kann ich so gar nicht nachvollziehen. Brett holte die Lacher wieder runter und spielte einen absoluten Lausch-Song. Das war das schöne an diesem Set: die ständig wechselnden Lied-Emotionen, die den Zuhörer auf und ab „fliegen“ ließen.

Duett Micha und Scholle

Micha Günther an der Gitarre bezauberte mit einem Song, der sich damit beschäftigte, dass er sie nicht mehr seh`n darf („Nie Mehr“). Michael Günther schrieb diese Nummer in der Rohfassung für Dirk Zöllner, zusammen haben sie sie dann „rund gemacht“. An diesem Abend sang Zöllner die erste Stimme, die Gitarrenbegleitung übernahmen wieder beide Musiker. Micha ist ein Liedermacher der allerersten Güte, der genau weiß, wie er seine Gedankengänge musikalisch umsetzt und seinem Volke kredenzt: mit herrlichen stimmlichen Garnituren. Günther ist auch jemand, der so melodisch komponiert und präsentiert, dass einem wenig Chance bleibt, sich seiner Musik zu entziehen. Günther hat Suchtfaktor und bei den meisten sofort das Herz erobert, meine musikalische Herzkammer hat er glatt bestürmt.

Bierhorst trällerte wieder seine „Montag“shymne, die am Freitag mehr einschlug als am Donnerstag, vermutlich, weil der gehasste Montag am Freitag deutlicher vor der Türe stand, um nicht zu sagen, er klopfte bereits heftig an. Safi aus Leipzig rockte anschließend mit einer ausgesprochen genial heiser klingenden Stimm-Röhre den 5. Stuhl.

Safi aus Leipzig Safi die Rockröhre

Die Sauvignons setzten wieder zu einer Blockx-Kreation, zu „Leave me alone“ an, die es in sich hatte und verabschiedeten sich quasi damit. Mir sind beide Versionen recht bekannt, ob es nun die Crossover geführte harte Version ist oder die hier gehörte akustisch zärtliche. Mit dieser glänzten auch die Blockx schon ganz Premiere like auf ihrer letzten Tour als Intro, was für diese Band mehr als neu und für heutige Marktverhältnisse sehr mutig war. Entstanden ist dieser Song in einem Hotelzimmer nach einigen Drinks, bis die Zimmernachbarn an die Wand hämmerten, damit endlich Ruhe ist. „Leave me alone“…

Ingo Pohlmann Ingo Pohlmann

Eine der absoluten Hammer-Performances bot uns (Ingo) Pohlmann aus Hamburg, der mit „Verliebt“ total abräumte und sich mit „Scholle“ Zöllner auch gleich ein Gitarren-Duell der Extraklasse lieferte. Der Junge funkte, der Junge groovte, der Junge hatte den Soul im Gepäck. Das Publikum tobte und trommelte mal wieder, bis Pohlmann fast verlegen strahlte und „Wenn Jetzt Sommer Wär“ anstimmte, ein Kopfnicker-Text, denn das besungene Thema war jedem bestens bekannt … Pohlmann befindet sich derzeit im Studio und bastelt an seinem ersten Album und wurde von Henning Wehland und Jan Löchel, die stolz wie Oskar zu ihm hinauf schauten, Songwriter technisch „großgezogen“. Dirk Zöllner hat nach seiner Quoten-Ossi-Story noch sinngemäß angemerkt, dass die Hamburger in persona von z. B. Pohlmann und Anna doch enorm abgeräumt hätten, genauso wie in vergangenen Shows Regy Clasen – natürlich auch aus Hamburg – es mehrfach tat.

Brett Perkins und Micha Günther spielten ihre letzten Songs des Abends. Micha ließ „Sing Ein Lied Für Mich“ hören, ein Lieblingssong von Tom Cunningham. Brett tat sich leider etwas schwer mit dem Ansagen seiner Songs, so dass mir seine Titel nicht bekannt sind. Brett moderiert in Dänemark übrigens ein ähnliches Format wie Songwriters In The Round. Dirk Zöllner und Rüdiger Bierhorst beendeten das erste Set mit „Alles oder nichts“, wieder einem Duett, welches es in sich hatte.

Toni Kater Toni Kater

Toni Kater Gitarrist Carsten Diekmann

Zwischen den beiden Parts des Abends trat Toni Kater zusammen mit ihrem Gitarristen Carsten Diekmann als Special Guest auf und spielte einen kleinen Auszug aus ihrem Repertoire wie z. B. „Liebe Ist“, das „Ankerlied“ etc. Sie begleitete sich dabei am Klavier bzw. an der Melodica.

Dirk eröffnete das zweite Set mit „Keine Schweigt Wie Du“, gefolgt von Hens Hensen aus Bremen, der an der Gitarre „Shine A Little Light“ darbot. Ines Paulke, die man durchaus liebevoll als erfahrene Ost-Diva oder ganz schlicht als „La Paulke“ beschreiben kann, verzauberte die Zuhörerschar mit „Himmel blau“, begleitet am Klavier von Arnold Fritzsch, beide aus Berlin. Dass diese zwei Künstler schon ein halbes Leben lang zusammen musizieren, in der damaligen DDR bereits Popgeschichte geschrieben haben, war nicht zu über“fühlen“, nicht zu überhören. Selten bekommt man ein solches Duo präsentiert, das mit einem Blick in das Gesicht des anderen die Songs live arrangiert.

2. Setbesetzung

Hens Hensen Hens Hensen

Hens Hensen spielte seine aktuelle Single und brachte sich und seinen musikalischen Erfindungsreichtum mehr als oft bei den Vorträgen seiner Kollegen ein. Mal betätigte er sich an der Cajon, dann wieder an Gitarre oder Klavier. Hens Hensen war einer derjenigen, die Songwriters In The Round mal wieder zu einer Hexenkessel-Jam-Session machte.

Claudia Nentwich Claudia Nentwich

Claudia Nentwich aus Berlin, die neben dem Songwriting damit beschäftigt ist, ein Buch über dieses Metier zu schreiben, hierdurch Dirk Zöllner kennen lernte, betörte ihr Publikum mit einer wirklich schönen Emotional-Nummer. Claudia erzählte auch, dass sie demnächst ihre erste deutschsprachige CD veröffentlichen wird, bisher schrieb sie ihre einfühlsamen Songs auf Englisch. Rüdiger und Dirk schmetterten wieder „Ka De We“ und leiteten damit Burgers Einsatz auf dem 5. Stuhl ein.

Burger Rüdi2 Monsters of Liedermaching

Burger, an sich der Kopf der Punk-Combo Die Schröders, spielte heute solo auf. Burger (nicht Börger!) klärte erstmal ganz locker flockig über das Phänomen „Selbstvertrauen“ auf. Der Augenblick war da, an dem man überlegen musste, wer die Leute lauter schnattern ließ, wer ihnen mehr Tränenflüssigkeiten aus den Lachfalten ihrer Augen rinnen ließ: Burger oder Bierhorst? Beide spielen ansonsten zusammen bei den Monsters Of Liedermaching. Unvermeidbar: Burger wurde zur Zugabe verdonnert, und zu was für einer: „Tod In Der Nordsee“ folgte, seine Reality-Geschichte über Frauen und Urlaub am Meer, denn „in der Regel zieht frau die Haie an“ … Burger bürgerlich und durchtrieben direkt. Es fiel dem Publikum schwer, diesen jungen Minnesänger von der Bühne zu lassen. Auch wirkt Burger anfangs immer recht zu lieb, zu unschuldig und zu artig … lässt man dieses Vollblut von der Leine, ist ein Zwerchfellkrampf selten zu vermeiden.

Ines Paulke Ines Paulke

Arnold Fritzsch

Ines & Arnold präsentierten eine weitere Nummer, die beeindruckte, dann war Claudia Nentwich wieder am Zuge, die mit „Lara“ für Gänsehautattacken sorgte, einem Song, der von Muschelsuchen und dem damit verbundenen Rumrobben im Sand am Strand erzählt, aber natürlich nicht nur davon …

Dirk Michaelis a capella Dirk Michaelis am Flügel

Dirk Michaelis wurde im Publikum entdeckt und von Dirk Zöllner subito aufgefordert, einen zum Besten zu geben. Er ließ sich nicht lange bitten, begeisterte danach mit einer a cappella vorgetragenen Nummer, ganz ohne Mikrofonunterstützung, sehr pur und nah. Im Saal war es mucksmäuschen still. Als Sahnetupfen obenauf performte Michaelis noch am Klavier spielend seinen Hit „Als Ich Fortging“.

Alle zusammen stimmten wieder „The Present“ an, um den Abend abzuschließen, aber da hatte man wohl noch nicht mit einem ganz besonderen Gast im Publikum gerechnet, der plötzlich auf der Bühne stand und für offene Münder und viele Ahs und Ohs sorgte: Barry Mason, einer der führenden Songwriter der 60er Jahre in England, der mehrfach mit Gold und Platin für Songs wie „Love Grows“, „The Last Waltz“, „Here It Comes Again“, „There Goes My First Love“ und „Delilah“ ausgezeichnet wurde. Größen wie Tom Jones, David Essex, Charles Aznavour und Barbra Streisand coverten seine Kompositionen. Mason erhielt mehrere Male den Ivor Novello Award, zuletzt 1998.

Barry Mason Barry Mason

Barry und Ines

Barry „outete“ sich fast verschämt als Schaffer von z. B. „Delilah“ und präsentierte diesen Song nicht weniger intensiv und perfekt wie Meister Jones persönlich. Arnold Fritzsch begleitete Mason am Piano, Spontaneres ging nun wirklich nicht. Als Zugabe spendierte Mason ein weiteres Schmankerl: „The Last Waltz“. Solche Aktionen zeichnen wahre Vollblutmusiker immer wieder aus. Wo sonst, wenn nicht in Tom Cunningham`s Songwriters In The Round, wird einem heute noch so etwas Wundervolles angeboten? Hier ist offenbar jede Überraschung möglich.

Ein persönliches Fazit dieser zwei Abende: Der Songwriter-Runden-Plattformen gibt es viele, aber das, was Tom Cunningham mit Songwriters In The Round über viele Jahre geschaffen hat, hat etwas sehr einmaliges. Man kann ihm nicht genug für dieses Lebenswerk danken, welches er hoffentlich recht bald wieder selber weiterführen kann. Gleiches gilt für alle teilnehmenden Featured Writer und Künstler auf den 5. Stühlen in der PopKomm-Edition, die ohne Gage auftraten und einem begeisterten Publikum alles boten und gaben. Dankeschön!

© Text 15. + 16.09.2005 by Tina Hahn, suikerheksie@yahoo.de


Samstag, 17. September 2005 – Das Finale grande

Der absolute Höhepunkt des diesjährigen Songwriter-Festivals war das persönliche Erscheinen von Tom Cunningham an diesem Abend im Rickenbacker`s. Man möge bedenken, dass Toms Erkrankung nur acht Wochen zurück lag und dies der erste Schritt in die Öffentlichkeit war. Man applaudierte ihm herzlichst dafür, die persönlichen Begrüßungen und Wünsche rissen nicht ab. Nicht nur Tom war gerührt, vielen Gästen und Freunden standen die Tränen in den Augen, war es doch ein sehr bewegender Moment.

Dirk Zöllner und Rüdiger Bierhorst begrüßten Tom mit großer Ehrfurcht und begannen den 3. Abend in gewohnter Manier. Mit viel Charme und Witz führten die beiden auf ihre Art durch das Programm, die inzwischen bekannten Dialoge mit den einzelnen Künstlern mit einbegriffen: Was ist dein Lieblingssong? Wen magst du überhaupt nicht? Was ist dein peinlichster Song?

Im 1. Set gaben neben Dirk Zöllner und Rüdiger Bierhorst, John Bottomley, Siebeth und Katharina Gade ihre eigenen Songs zum Besten.

1. Setbesetzung

John Bottomley liest John Bottomley singt

John Bottomley pustet

John Bottomley ein sehr erfahrener und doch bescheiden auftretender Musiker aus Kanada, bot zu Beginn eine Lesung. Leider bin ich der Sprache nicht so mächtig und kann nicht sagen wovon der Text handelte. Mit seinen folgenden wirklich schönen Countrysongs brachte John gar Tom Cunningham zum Mitsingen. Außerdem hatte John auch noch an diesem Tag Geburtstag, welcher zur Halbzeit mit einer großen Geburtstagstorte und einem Ständchen geehrt wurde. Hier gebe ich ein großes „Dankeschön“ an Gabriele Bohn weiter, welche die Torte gestiftet hat.

Siebeth aus Hamburg

Scholle so... ...und so

Siebeth, der Ex-Pornomat-Sänger aus Hamburg, sprühte nur so vor Charme und Humor. Seine Musik kommt sehr abwechslungsreich rüber, und dabei verwendet er eine sehr direkte Sprache. Dirk Zöllner bemerkte auch hier wieder, dass Hamburg über ein unheimliches Potenzial an wirklich guten und vor allem deutschsprachigen Künstlern verfügt. Dem kann ich mich nur anschließen.

Katharina Gade

Katharina Gade

Katharina Gade überwältigte mit ihrer kraftvollen Stimme und ihren wunderschönen deutschen Popballaden. Sie begleitete sich am Flügel. Speziell für Tom sang sie einen Song: „Die Welt ist wunderschön“ und verbreitete damit Mut und Hoffnung, Tom war sichtlich gerührt. Katharina stammt übrigens ebenfalls aus Hamburg und machte Dirk nur noch sprachloser, mit Ehrfurcht schaut er nun in Richtung Hamburg.

Auf dem 5. Stuhl nahmen Platz: Yone Flint aus Berlin, der seinen kleinen Sohn als Begleitung dabei hatte, welcher stolz vom Hocker aus seinem Vater lauschte, bot einen wunderbar flotten Song (Titel leider verpasst).

Yone Flint

Vanessa Maurischat aus Braunschweig stammend, jetzt aber in Berlin lebend, dankte Tom herzlichst für sein Kommen und dass sie ihn persönlich kennen lernen durfte. Mit einem fantastischen Klavierspiel und einem Song über „Oktoberdepression“ begeisterte sie das Publikum so sehr, dass sie im 2. Set eine Zugabe spielen musste.

Vanessa Maurischat

Als letzter im 1. Set spielte Willi Bedarf auf. Wenn er gewusst hätte, dass Tom da sein würde, dann hätte er wieder ein Liedchen extra für Tom mitgebracht. Passend zur anstehenden Bundestagswahl hatte er aber einen politischen „Septembersong“ parat, den er vor allem ohne Mikro vortrug.

Willi Bedarf a capella Willi Bedarf

Tom und Elke

Tom und Elke

Scholles Uge inklusive Baby

 

Nach dem 1. Set verabschiedete sich Tom und dankte noch einmal herzlichst für den Einsatz aller, die diese Show möglich gemacht haben.

Im 2. Set traten Aernschd Born, S.A.M.T. und Tobias Hengeveld an.

2. Setbesetzung

Aernschd Born, aus der Schweiz stammend, meinte zu Beginn: die Schweiz ist eine europäische Insel. Mit einem sarkastischen Humor trägt er seine Lieder vor, dass es einem die Sprache verschlägt, dafür aber die Lachmuskeln ordentlich trainiert. Allein das Liebeslied an …das „Pissoir“ ließ die Lachtränen kullern.

Aernschd Born

Die Gruppe S.A.M.T. mit Pamela Bethke als Sängerin, überzeugte wieder mit ihren tiefgängigen Balladen. Arndt Bethke begleitet sie dabei auf der Gitarre, und Nora Bösel spielte die Geige, ein wunderbares Trio. Pam bereicherte die laufende Show, indem sie zwischendurch auf dem Cajon spielte.

Pam Arndt Nora

Tobias Hengeveld aus Australien ist eindeutig ein Mann der leisen Töne. Er spielte wunderbar auf der Gitarre und präsentierte seine Songs mit gefühlvoller, fast melancholischer Stimme. Hier fiel mir mal wieder auf, wie großartig völlig verschiedene Musiker aus aller Welt sich auf einer Bühne vereinen und ergänzen. Das ist das Besondere an Toms Projekt, und ich bin immer wieder dankbar für diese Entdeckung!

Tobias Hengeveld Tobias Hengeveld

Auf dem 5. Stuhl im 2. Set spielte unter anderem die gern gesehene und gehörte Gay Frazier mit ihrer Tochter Shavonne. Roman war das erste mal in der Runde. Er spielte auf dem Piano einen englischen Song, wobei er sonst eher auf Deutsch textet und singt. Dieser kam aber sehr beschwingt beim Publikum an, und ich konnte ihn für die kommende Show in Templin begeistern, dort wird man ihn also bald wieder hören dürfen.

Gay Frazier & Shavonne Roman

Rüdiger Bierhorst bereicherte den Abend zusätzlich mit einer Erklärung, warum er jeden Tag die gleichen Songs gesungen hatte mit „Muse“ (die ihn nicht geküsst hat) und der gewünschten Zugabe „Ich brauch Personal“. Das Publikum bog sich vor Lachen und kam auf seine Kosten.

Mit dem Abschlusslied „The Present“, das inzwischen alle mitsangen, gingen drei Tage Akustikmusik vom Feinsten zu Ende. Es waren drei gelungene Abende, Dirk Zöllner und Rüdiger Bierhorst haben Großartiges geleistet und schrieben in Toms Gästebuch, dass sie nun noch mehr Respekt vor seiner Arbeit hätten, mehr denn je! Keiner kann Tom ersetzen, so haben aber doch beide ihre Rolle als Gastgeber super gemeistert, und Tom war ihnen sehr dankbar dafür.

Techniker Dieter Ortlepp

Ich möchte mich noch herzlich für die Zusammenarbeit mit Ellie Weinert (Songs Wanted) bedanken, wir arbeiteten Hand in Hand beim Booking und der Organisation. Ein großes Dankeschön an Dirk Zöllner, Rüdiger Bierhorst, Ihr ward große Klasse! Danke an Gabriele Bohn hinter den Kulissen und an der Kasse, Uwe und seinen Mädels vom Rickenbacker’s, es war nicht einfach durch die Massen zu kellnern! Danke auch für den großartigen Sound von Dieter Ortlepp. Außerdem nicht zu vergessen ein Dankeschön an Mario Koss für die wieder gelungenen Fotos, die Auswahl fiel echt schwer, an Tina Hahn für die Berichterstattung der ersten zwei Tage und an Uschi für das Merchandise.

Bis auf bald und dann hoffentlich wieder mit Tom Cunningham, das wünscht sich nicht nur Ariane!

© Text 17.09.2005 by Ariane Schneider-Müllenstädt, ariane@enaira.de

© Fotos by Mario Koss, kossfarm@gmx.net

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